Geschenke aus dem Ausland: Wann sind sie wirklich zollfrei?
Die Wahrheit über Einfuhrabgaben bei Geschenksendungen. Welche Freigrenzen für Geschenke in der EU, Großbritannien (39 £) und den USA (100 $) gelten.
Viele gehen davon aus, dass ein als „Geschenk" deklariertes Paket automatisch zoll- und steuerfrei durch die Grenzkontrolle geht. Das ist jedoch ein weit verbreitetes Missverständnis, das beim Empfänger der Sendung oft zu bösen Überraschungen in Form von unvorhergesehenen Nachzahlungen führt.
Wie funktioniert die Zollfreigrenze für Geschenke?
Grundsätzlich gibt es in vielen Ländern Steuererleichterungen für private Geschenksendungen. Diese Ausnahmeregelung gilt allerdings ausschließlich für Sendungen von einer Privatperson an eine andere Privatperson. Bestellen Sie Waren in einem Online-Shop und lassen diese vom Händler als „Geschenk" markieren, greift diese Regelung nicht, das Paket wird zollrechtlich als ganz normale kommerzielle Sendung behandelt.
Jedes Land hat eigene Grenzwerte und Vorschriften dafür, bis zu welchem Wert ein privates Geschenk abgabenfrei importiert werden darf.
Freigrenzen für Geschenke in der EU und Großbritannien
- Europäische Union (EU): Für rein private Geschenksendungen gilt eine Freigrenze von 45 Euro. Liegt der Wert der Sendung darunter und handelt es sich um eine gelegentliche Sendung zwischen Privatpersonen, fallen keine Einfuhrabgaben an. Übersteigt der Wert diesen Betrag, werden Einfuhrumsatzsteuer und ab 150 Euro ggf. auch Zoll fällig.
- Großbritannien (UK): Im Vereinigten Königreich liegt die Grenze für abgabenfreie Geschenke bei 39 Pfund (GBP). Liegt der Wert darüber, fällt auf den Gesamtwert der Sendung die britische Mehrwertsteuer an. Ab einem Wert von 135 Pfund können zusätzlich Zölle anfallen.
Regelungen für Geschenke in den USA
In den USA ist man in dieser Hinsicht großzügiger. Sie können von Freunden oder Verwandten aus dem Ausland Geschenke im Wert von bis zu 100 US-Dollar pro Sendung erhalten, ohne dass Zölle oder Steuern erhoben werden.
Wichtig ist jedoch: Dieses Limit gilt pro Empfänger und Tag. Erhalten Sie an einem Tag mehrere Pakete vom selben Absender, die jeweils knapp unter 100 Dollar wert sind, kann der Zoll diese zu einer einzigen Sendung zusammenfassen und den Gesamtwert versteuern.
Kann ich meine Bestellung als Geschenk deklarieren lassen, um Steuern zu sparen?
Nein. Das wird von den Zollbehörden als Steuerhinterziehung bzw. Zollbetrug gewertet und funktioniert in der Praxis fast nie.
Die Zollbeamten kennen diese Masche genau. Wenn ein Paket von einem gewerblichen Absender (wie Amazon, AliExpress oder einem asiatischen Logistik-Hub) kommt und als Geschenk deklariert ist, wird dieser Aufdruck ignoriert. Der Zoll ermittelt dann den tatsächlichen Wert der Ware und berechnet die Abgaben entsprechend. Besteht der Verdacht auf absichtliche Falschdeklaration, kann das Paket einbehalten werden oder es droht ein Bußgeldverfahren.
Welche Angaben gehören auf ein Geschenkpaket?
Damit eine Sendung reibungslos als privates Geschenk anerkannt wird, muss der Absender die Zollinhaltserklärung (CN22 oder CN23) sorgfältig und leserlich ausfüllen:
- Das Kontrollkästchen „Geschenk" (Gift) muss angekreuzt sein.
- Der Inhalt muss genau beschrieben werden (z. B. „Gebrauchter Wollpullover" statt nur „Kleidung").
- Der tatsächliche, realistische Wert der Ware muss angegeben werden.
- Sowohl Absender als auch Empfänger müssen namentlich als Privatpersonen (Vor- und Nachname) eingetragen sein.
Fehlen diese Angaben oder sind sie unplausibel, stuft der Paketdienst oder Zoll die Sendung als gewerblich ein und berechnet die Abgaben vollständig.
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